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Kindererziehung außerhalb des Iran: zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen und zwei Weltanschauungen

Kindererziehung außerhalb des Iran: zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen und zwei Weltanschauungen

Emotral-Redaktion

Iranische Familien in der Migration stehen bei der Erziehung ihrer Kinder vor besonderen Herausforderungen, von kulturellen und sprachlichen Unterschieden bis zur Kluft zwischen den Generationen und zur Identitätskrise. Dieser Artikel untersucht die wichtigsten Schwierigkeiten und stellt praktische Wege für eine gesunde Erziehung des Kindes außerhalb des Iran vor.

Ein Kind außerhalb des Iran zu erziehen bedeutet nicht nur, ein Kind in einem anderen Land großzuziehen, sondern zugleich in zwei unterschiedlichen Wertesystemen zu leben. Das Kind begegnet in der Schule, in der Gesellschaft und in den Medien einer Kultur, die sich oft von den Werten und der gelebten Erfahrung der Eltern unterscheidet. Dieser Abstand kann, wenn er nicht bewusst gestaltet wird, zu Konflikten, Verwirrung oder einer emotionalen Kluft führen.

Eine der ersten Herausforderungen ist die Frage der Sprache. Viele Kinder iranischer Migranten verwenden das Persische nach und nach seltener oder werden unfähig, komplexe Gefühle in der Muttersprache auszudrücken. Für die Eltern bedeutet das manchmal, einen Teil der emotionalen Verbindung zu verlieren. Die Lösung ist hier nicht Zwang, sondern das Schaffen bedeutsamer Erfahrungen mit der persischen Sprache, etwa Geschichtenerzählen, Musik oder alltägliche Gespräche ohne Druck.

Eine weitere wichtige Herausforderung ist der Unterschied im Erziehungsstil. In vielen Aufnahmegesellschaften wird die Selbstständigkeit des Kindes früher gefördert, während die iranische Kultur die familiäre Bindung und eine engere Fürsorge betont. Dieser Unterschied kann Eltern in Zweifel stürzen: «Bin ich vielleicht zu streng?» oder «Verliere ich vielleicht gerade meine Werte?» Die gesunde Antwort ist weder die vollständige Nachahmung der Kultur des Aufnahmelandes noch das starre Beharren auf alten Mustern, sondern der Aufbau eines flexiblen und bewussten Erziehungsstils.

Auch die Identitätskrise gehört zu den häufigen Themen bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte. Das Kind kann das Gefühl haben, «weder ganz iranisch zu sein noch ganz zur Aufnahmegesellschaft zu gehören». Wird dieses Gefühl übergangen, kann es zu Wut, Rückzug oder Scham über die eigenen Wurzeln führen. Eltern, die die bikulturelle Identität als Potenzial vorstellen, nicht als Problem, helfen dem Kind, statt zu einer Zerrissenheit zu einer reichen und vielschichtigen Identität zu finden.

Andererseits stehen auch die Eltern selbst oft unter dem psychischen Druck der Migration, des Lebens in der Fremde und wirtschaftlicher Sorgen. Diese Belastungen können ungewollt in die Beziehung zwischen Elternteil und Kind hineinwirken. Die Sorge für die psychische Gesundheit der Eltern ist die Voraussetzung für eine gesunde Erziehung des Kindes. Ein Kind, dessen Elternteil besser reguliert ist, erlebt ein stärkeres Gefühl von Sicherheit.

Die wichtigsten Wege

  • Ein offenes Gespräch über kulturelle Unterschiede führen, ohne in gut und schlecht einzuteilen

  • Die emotionale Verbindung zur iranischen Kultur durch Erfahrung bewahren, nicht durch Zwang

  • Die bikulturelle Identität des Kindes als Vorteil annehmen

  • Grenzen setzen, die dem Alter des Kindes und der Aufnahmegesellschaft entsprechen

  • Fachliche Unterstützung in Anspruch nehmen (Familien- oder Kinderberatung), wenn anhaltende Konflikte auftreten

Ein Kind außerhalb des Iran zu erziehen ist ein Weg ohne fertiges Rezept. Doch mit Bewusstheit, Flexibilität und fortwährendem Gespräch lässt sich dieser Weg in eine Gelegenheit für das gemeinsame Wachstum von Elternteil und Kind verwandeln: ein Wachstum, das sowohl Wurzeln als auch Flügel hat.