Wem dieser Ansatz meist hilft
- Angst und ständiges Grübeln
- Depression und Antriebslosigkeit
- Chronische Schmerzen und Erkrankungen
- Arbeitsstress und Burnout
- Belastungen durch Migration
- Orientierungslosigkeit im Leben
Was ist ACT?
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie, ausgesprochen wie das englische Wort "act", wurde in den 1980er und 1990er Jahren von Steven Hayes und Kollegen in den USA entwickelt. Sie gehört zur Familie der kognitiven Verhaltenstherapien, setzt aber anders an: Statt den Inhalt negativer Gedanken zu verändern, arbeitet sie an unserer Beziehung zu ihnen.
Die Grundidee ist einfach und zugleich tief: Ein großer Teil unseres Leidens entsteht nicht durch den Schmerz selbst, sondern durch den ständigen Versuch, ihm zu entkommen. Wer vor Angst, Traurigkeit oder einer schmerzhaften Erinnerung flieht, dessen Leben wird oft enger. ACT möchte diesen Kreislauf durchbrechen.
Kernideen: psychische Flexibilität
ACT zielt auf psychische Flexibilität: im Hier und Jetzt sein, schwierige Gefühle erleben, ohne darin unterzugehen, und dennoch im Einklang mit den eigenen Werten handeln. Meist wird dies über sechs verbundene Fähigkeiten beschrieben.
Akzeptanz: unangenehmen Gefühlen Raum geben, statt sie zu unterdrücken; das heißt nicht, den Schmerz gutzuheißen. Kognitive Defusion: Gedanken als Gedanken sehen, nicht als Wahrheit ("Ich habe den Gedanken, dass ich versage"). Gegenwärtigkeit: achtsame Aufmerksamkeit für das Jetzt. Selbst als Kontext: der Teil von Ihnen, der Gedanken bemerkt, ohne mit ihnen identisch zu sein. Werte: klären, was Ihr Leben sinnvoll macht. Engagiertes Handeln: kleine, konkrete Schritte in Richtung dieser Werte.
Wie sieht eine ACT-Sitzung aus?
ACT-Sitzungen sind aktiv und erfahrungsorientiert. Die Therapeutin arbeitet mit Metaphern, kurzen Achtsamkeitsübungen und Aufgaben zwischen den Sitzungen.
Stellen Sie sich Maryam vor, die vor zwei Jahren nach Deutschland gezogen ist und Besprechungen wegen sozialer Angst meidet. Gemeinsam betrachten sie, was das Vermeiden kurzfristig bringt und langfristig kostet. Dann geht es um ihre Werte, etwa Verbundenheit und berufliche Entwicklung. Die Metapher der "Passagiere im Bus" kann helfen: Angstgedanken sind laute Fahrgäste, aber Maryam sitzt am Steuer. Eine Wochenaufgabe könnte sein, in einer Besprechung einen Satz zu sagen, mit der Angst als Begleiterin.
Für wen es hilfreich ist und was die Forschung sagt
ACT verfügt inzwischen über eine beachtliche Forschungsbasis. Die Befunde sprechen für eine Wirksamkeit bei Angst, Depression, chronischen Schmerzen und Belastung durch körperliche Erkrankungen, in vielen Vergleichen ähnlich wie klassische KVT. Bei chronischen Schmerzen gehört ACT zu den besser belegten Ansätzen.
Auch für Zwangsstörungen und Psychosen gibt es Studien, dort wird ACT aber meist ergänzend zu Standardbehandlungen eingesetzt. ACT ist kein Wundermittel; entscheidend ist, ob der Ansatz zu Ihrem Anliegen passt.
Wie lange dauert es meist?
ACT ist oft eher kurz angelegt. Viele Behandlungen umfassen 8 bis 16 wöchentliche Sitzungen, bei komplexeren Problemen auch mehr. Ein großer Teil des Fortschritts geschieht zwischen den Sitzungen im Alltag.
ACT online und auf Persisch
ACT eignet sich gut für Online-Sitzungen, da es auf Gespräch, Metaphern und Übung beruht. In der Muttersprache verbinden sich Metaphern und Werte direkter mit Ihrer Erfahrung.
Für viele Iranerinnen und Iraner im Ausland bringt die Migration Heimweh, Schuldgefühle gegenüber der Familie im Iran oder Identitätsfragen mit sich. ACT behandelt diese Gefühle nicht als zu beseitigende Probleme, sondern hilft, mit ihnen ein wertorientiertes Leben aufzubauen. Praktischer Tipp: ein ruhiger Raum und Kopfhörer für die Achtsamkeitsübungen.
Grenzen und verwandte Ansätze
ACT ist nicht für alle die beste Wahl. In einer akuten Krise, bei ernsthaften Suizidgedanken oder wenn Sie tief an Kindheitswurzeln und Beziehungsmustern arbeiten möchten, kann ein anderer Ansatz besser passen. Manche erleben "Akzeptanz" anfangs als Aufgeben.
Bei starker Selbstkritik und Scham ist die Compassion Focused Therapy (CFT) eine gute Ergänzung. Wenn Sie direkt an Gedanken und Verhalten arbeiten möchten, ist die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT/CBT) eine nahe Alternative. Ihre Therapeutin hilft Ihnen in der ersten Sitzung bei der Entscheidung.






